zum Projekt

„Quarto piano“

Neapel, 2009

Der Gebäudekomplex der vele (ital. Segel) im Stadtteil Scampia, ist der wohl berühmt-berüchtigste Ort Italiens. Jahrelange wurden die vele in den Medien als Hochburg des Drogenhandels und damit verbundenen Gewaltverbrechen stilisiert, was sie zum Symbol der organisierten Kriminalität und des gesellschaftlichen Verfalls in Neapel machte. Für die Bewohner der vele, viele von ihnen noch minderjährig, hat diese Stigmatisierung oftmals Benachteiligungen beim Zugang zu legaler Arbeit und Bildungseinrichtungen zur Folge. Tatsächlich sind die vele heute ein Ort, der sich für ihre Bewohner nicht durch Drogenhandel und Gewalt, sondern hauptsächlich durch baulichen Zerfall, informelle Wohnverhältnisse, Armut und geringe Hoffnung auf Verbesserung ihrer ökonomischen und sozialen Situation auszeichnet.

Im Sommer 2009 führten The Good Hand gemeinsam mit der seit über 10 Jahren in Scampia aktiven Organisation chi rom e... chi no, einen Workshop für Kinder im Alter von 8 bis 15 Jahren durch. Das Ziel war dabei, unter den Kindern ein Gefühl für die Möglichkeit einer kreativen Umgestaltung ihrer alltäglichen Umgebung zu fördern. Gleichzeitig sollten im spielerisch-phantasievollen Zusammensein Brücken zwischen italienischen und Kindern der ortsansässigen Roma-Gemeinschaften, die zu den am stärksten diskriminierten ethnischen Minderheiten Europas gehören, geschlagen werden.

Im Laufe des Workshops gestalteten die Kinder unter unserer künstlerischen Anleitung eine leerstehende Wohnung nach ihren Wünschen um. An die Wände und Decken sowie auf die Fußböden der Wohnung malten sie die Einrichtung, mit denen die Wohnung ausgestattet sein sollte. Aus dem anschließenden Spielen der Kinder entstand wenige Monate später der Kurzfilm "Il Quarto Piano", der unter anderem auf den Filmfestivals Festival del Cinema dei Diritti Umani 2010 in Neapel und Buenos Aires und dem Festival dello Spazio Pubblico 2011 in Neapel großen Anklang fand.